Zur Geschichte von ascolta
Das Stuttgarter Ensemble ascolta ging hervor aus dem unter dem Dach von „Musik der Jahrhunderte" gegründeten Ensemble Varianti, welches seit 1994 zeitgenössische Musik in variablen Ensemble- und Kammermusikbesetzungen im In- und Ausland aufführte. Bei nahezu allen europäischen Festivals für Neue Musik war das Ensemble vertreten, zahlreiche Einspielungen liegen auf CD vor.
Seit Anfang 2003 präsentiert sich das Ensemble nach einer Umstrukturierung in fester, kammermusikalischer Besetzung: Trompete, Posaune, 2 Schlagzeuger, Klavier/Cembalo/Synthesizer, Violoncello und Gitarre/E-Bass. Dieses Klangbild mit tiefen, ursprünglichen Farben, vielen spektralen Möglichkeiten sowie einer starken Konzentration auf Schlag- und Rhythmusinstrumente soll die derzeitige Ensemblelandschaft substanziell erweitern und ergänzen. Die begeisterten Reaktionen zahlreicher Komponisten, die spontan zusagten, für das Ensemble zu schreiben, bestärkten uns in der Überzeugung, dass wir mit dieser neuartigen Besetzung auch neuartige klangliche Positionen artikulieren können. Das Ensemble gab sich den neuen Namen ascolta.
Ziele
Die Neugründung des Ensembles wurde wesentlich getragen vom Wunsch, eigene Koordinaten für die Arbeit festzulegen. Der allseits übliche Zeitdruck prägt mittlerweile leider auch vielfach die künstlerische Produktion. ascolta bemüht sich, nicht nur bei der Einstudierung der Werke unzeitgemäße Ruhe, Verantwortung und Sorgfalt herrschen zu lassen, sondern auch bei der Auswahl von Repertoire und der Entwicklung neuer Instrumente und neuer Spieltechniken.
Die Mitglieder, die teilweise auch solistisch oder als Komponisten tätig sind, sehen es als ihre Aufgabe an, den Komponisten während des Kompositionsprozesses so weit wie möglich zum Experimentieren zur Verfügung zu stehen. Jedes Mitglied übernimmt Aufgaben der künstlerischen Leitung und des Managements.
In der Vergangenheit hat es sich immer wieder gezeigt, dass die Blüte von bestimmten Sparten des Repertoires und damit ganze musikgeschichtliche Entwicklungen untrennbar mit dem außergewöhnlichen Engagement einzelner Personen oder Klangkörper verbunden ist. Umgekehrt kann sich ein Komponist, der sich ein bestimmtes Klangbild wünscht, in der Regel nicht artikulieren, wenn die vorhandenen Ensembles dieses Klangbild nicht anbieten können bzw. nicht fördern wollen. Schon in den Vorgesprächen mit Komponisten wurde immer wieder die Einschätzung zum Ausdruck gebracht, ascolta könne durch die Pflege eben dieses Klangs ein umfangreiches Repertoire ermöglichen, das im besten Sinne zeitgemäß sein wird. Darüber hinaus ist es vielen Komponisten offenbar nicht nur ein Bedürfnis, für diese neuartige Besetzung zu schreiben, sondern in Zusammenarbeit mit den bestimmten Interpreten des Ensembles, die ihre im Rahmen einer ausgedehnten Konzerttätigkeit gewonnenen Erfahrungen und ihre spezifischen instrumentalen Fähigkeiten einbringen wollen, neue Ideen zu entwickeln.
Neben dem neu entstehenden Repertoire für die genannten sieben Instrumente pflegt das Ensemble auch verschiedene kleinere Besetzungen. Es tritt u.a. mit Duo- und Trioprogrammen für Posaune, Violoncello und Klavier, für Trompete und Posaune oder Klavier und Schlagzeug auf.
Konzerttätigkeit und Repertoire
Der SWR Stuttgart sprach ascolta in den vergangenen Jahren das Vorschlagsrecht für einige Kompositionsauftäge zu. Beim Festival «Eclat» Ende Januar 2004 im neuen Theaterhaus wurden im Zuge dessen zwei Werke von Gerald Eckert und Hans Thomalla zur Uraufführung gebracht. 2006 folgte die Uraufführung von Olga Neuwirths "Spazio Elastico". Im gleichen Jahr wurden neue Werke von Rolf Riehm, Michel Roth, Hans Tutschku und Hans Thomalla aufgeführt. Daneben hat ascolta aus eigenen Mitteln bereits zahlreiche Aufträge vergeben, etwa an Jennifer Walshe, Olga Neuwirth, Tiziano Manca, Cornelius Schwehr, Martin Smolka, Catherine Milliken, Caspar Johannes Walter, und Sven-Ingo Koch.
2004 trat das Ensemble auf Einladung des SWR in der Reihe „ars nova" mit einem Programm „Music for Marcel Duchamp" in Trier auf - neben Werken aus dem unmittelbaren Umkreis von John Cage und Marcel Duchamp standen dabei umfangreiche Aktionen zahlreicher Fluxuskünstler im Mittelpunkt.
Seit 2005 arbeitet ascolta an einem Projekt mit der Musik von Frank Zappa. In einem vom Hauptstadtkulturfond geförderten Konzert am 14. Juli 2007 in Berlin präsentierte das Ensemble bisher unveröffentlichte Synclavierwerke von Frank Zappa in eigenen Arrangements für die ascolta-Besetzung. Dazu entstand in Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur eine CD, die im Zappa-Label in Los Angeles erscheinen soll. Nach Konzerten in Stuttgart und Huddersfield 2008 wird ascolta plays Zappa im Oktober 2009 ins Festspielhaus Hellerau nach Dresden kommen.
In der Saison 2006 trat ascolta u.a. beim Festival in Luzern, bei den Weltmusiktagen in Stuttgart, beim Festival in Witten und wiederum beim Stuttgarter Festival Eclat auf und es entstanden in Zusammenarbeit mit ascolta zwei Opernproduktionen beim „Forum Neues Musiktheater" der Staatsoper Stuttgart.
In Kooperation mit der Staatsgalerie Stuttgart entstand 2004 das Filmprojekt mit dem Titel „Gehörgang ins Auge". Zu diesem Anlass vergab ascolta zunächst fünf Kompositionsaufträge zu experimentellen Stummfilmen der 1920er Jahre. Seit 2006 entstanden dann in Kooperation mit ZDF/ARTE und dem ZKM Karlsruhe Kompositionen zu weiteren Filmen, die ascolta nun bereits in der zweiten Staffel für eine DVD-Veröffentlichung produziert hat. „Gehörgang ins Auge" wird ständig erweitert; im Jahr 2008 entstanden wieder neue „Film-Musiken" für ascolta, die in Mainz, Leipzig und Dresden aufgeführt wurden.
Mit Chaya Czernowin wurde ein Projekt anlässlich ihres 50. Geburtstages durchgeführt, das sieben Komponisten aus unterschiedlichen Kulturen einbezog. Dieses "Dialogue Experiment" wurde ab November 2006 von ascolta in Zusammenarbeit mit den Komponisten über zwei Jahre entwickelt und 2008 in Donaueschingen uraufgeführt. Es folgten weitere Aufführungen bei Wien Modern im November 2008 und in der neuen Stuttgarter Konzertreihe "ascolta plays..." im Mai 2009. Für die kommenden Jahren sind neue Werke für ascolta u.a. von Beat Furrer, Johannes Schöllhorn, Isabell Mundry und Clemens Gadenstätter in Planung oder im Entstehen.
Weitere Aktivitäten
In den Aktivitäten von ascolta spielen neben dem Aufbau einer Reihe mit Saisonkonzerten auch verschiedene pädagogische Maßnahmen eine wichtige Rolle. Dazu hat sich ascolta dem von der Bundeskulturstiftung geförderten Netzwerk Süd angeschlossen, das die Vermittlung Neuer Musik im Großraum Stuttgart organisiert. ascolta präsentiert die Ergebnisse dieser Arbeit regelmäßig in der Reihe "Beginner" im Theaterhaus Stuttgart.
mehr über das Vermittlungskonzept von ascolta